Jes 44,5 als Argument für Tätowierung?

Grundlagen. Basisfragen zu hebräischen Vokabeln und zur Grammatik
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Annemarie Tschui
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Jes 44,5 als Argument für Tätowierung?

Beitragvon Annemarie Tschui » So 10. Jul 2016, 15:09

יִכְתֹּב יָדֹו לַיהוָה
Die einen Bibeln übersetzen יָדֹו mit "mit der Hand", andere mit "in die Hand". Letztere Variante hat ein junger Christ als biblische Rechtfertigung für Tätowierung angegeben. Was lässt sich aus sprachlicher Sicht dazu sagen?
Vielen Dank für eure Antworten!
Annemarie

Ben
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Re: Jes 44,5 als Argument für Tätowierung?

Beitragvon Ben » Mo 11. Jul 2016, 00:56

Hallo Annemarie,

gute Frage! Bevor wir uns der Bibelstelle zuwenden, können wir vielleicht den Kontext der ganz praktischen Frage klären, ob Tätowierungen für Christen in Ordnung sind oder nicht. Ich glaube nämlich nicht, dass es von dieser Stelle abhängt. Ich würde mich vermutlich auch nicht trauen, mich für Jes 44,5 eindeutig festzulegen.

Zunächst mal werden in 3. Mose 19,28 Tätowierungen rundheraus verboten. Im Hintergrund standen offenbar heidnische Kulttätowierungen, aber die Stelle spricht ein allgemeines Verbot aus. Das Gesetz ist in diesem Fall allerdings für Christen nicht bindend. Das Verbot wird im Neuen Testament für nichtjüdische Christen nicht bestätigt, vielmehr gehört es zu den unzähligen äußerlichen und Reinheitsvorschriften des Gesetzes, die im Christentum keine Funktion mehr haben. Es ist sogar möglich, dass mit einer bestimmten Formulierung in Offb 19,16 gemeint ist, dass der zurückkehrende Jesus eine Tätowierung am Bein hat (auch wenn ich das für unwahrscheinlich halte; die Stelle ist fast so unklar wie Jes 44,5).

Jes 44,5 ist leider in der Formulierung sehr unklar. Es fehlt nämlich ein Wort, das man mit "auf/in" oder "mit" übersetzen könnte - was ungewöhnlich ist. Die meisten Übersetzungen und einige Kommentare scheinen sich für "auf/in die Hand" zu entscheiden. Das ist einigermaßen sinnvoll: Es gibt auf den ersten Blick keinen Grund, die Hand überhaupt zu erwähnen, wenn man vom Schreiben mit der Hand spricht, besonders wenn man so platzsparend wie möglich schreiben will. Ich frage mich auch, was für eine Schreibtechnik hier gemeint wäre - meist wurde damals ja in Ton oder Stein geritzt, daher würde der damalige Leser vielleicht schon als erstes an eine Tätowierung mit Tinte denken. Gestützt wird die Deutung, weil auch die Septuaginta den Text so versteht, das ist eine sehr alte griechische Übersetzung des AT, die versteht die Stelle so, dass mit Säure in die Haut geätzt wird. Es gibt auch einige Beispiele aus der Antike, dieso eine Handlung zumindest plausibel erscheinen lassen würden.

Zunächst noch die Argumentation für "mit der Hand": Ein Kommentar (Delitzsch) meint, das fehlende "mit" oder "in" würde gar nicht fehlen, stattdessen handele es sich bei "seine(r) Hand" um einen näherbestimmenden Akkusativ. Die Bedeutung wäre daher "mit seiner Hand". Die andersherum gehende Deutung für eine Beschriftung der Hand wäre dem Text kaum zu entnehmen. Das ist möglich, ich muss es so stehen lassen, man muss wohl deutlich besser Hebräisch können als ich (und viele der Kommentatoren), um diesen Einwand wirklich beurteilen zu können. Die Argumentation geht dann jedenfalls so weiter, dass aufgrund von Lev 19,28 keine Tätowierung gemeint sein kann.

Wir sehen hier also: Beide Standpunkte lassen sich vertreten. Und ich bin offen gestanden unentschieden.

Ich könnte jetzt noch einige weitere Erwägungen anführen, aber ich habe noch einen netten Gedanken zum Schluss, wobei wir allerdings die solide und klare Bibelauslegung hinter uns lassen und Vermutungen anstellen müssen:
Unsere Stelle ist ja merkwürdig formuliert. Es ist noch nicht einmal klar, ob hier von Israeliten oder anderen die Rede ist, die hier mit oder auf der Hand schreiben. Erfüllung von biblischer Prophetie funktioniert nicht selten so, dass man erst hinterher versteht, wie sie gemeint ist, aber nicht vor der Erfüllung. Das Verblüffende und Unvorhersehbare an der Prophetie wäre dann, dass Israeliten damals nicht vorhergesehen haben könnten, dass Tätowierungen eines Tages für Gläubige nicht verboten wären und dass sich einige heutige Christen eben auch entsprechend tätowieren lassen. Daher kann ich mir gut vorstellen, dass es vielleicht keine Erfüllung, aber durchaus im Sinne der Prophetie wäre, wenn sich heute Christen als Ausdruck des Stolzes den Namen JHWHs auf die Arme tätowieren. Und so hat der junge Mann vielleicht gar nicht so unrecht, wenn er sich auf Jes 44,5 bezieht.
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Re: Jes 44,5 als Argument für Tätowierung?

Beitragvon caleteu » Mo 11. Jul 2016, 10:45

Das Zeichen an der Hand hatte eine besondere Bedeutung. Im Gesetz (z. B. 2Mose 31,13) sollten solche Zeichen zur Erinnerung dienen. Ich glaube, es diente auch als Zugehörigketszeichen (vergleiche das Zeichen des Tieres in Offenbarung 13,16). In der Jesaia geht es eben darum, dass man seine Beziehung zu Gott gedenkt und deklariert.
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Re: Jes 44,5 als Argument für Tätowierung?

Beitragvon m.schoeffel » Mo 11. Jul 2016, 16:15


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Re: Jes 44,5 als Argument für Tätowierung?

Beitragvon Ben » Mo 11. Jul 2016, 21:11

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Re: Jes 44,5 als Argument für Tätowierung?

Beitragvon m.schoeffel » Di 12. Jul 2016, 13:25

Die Stelle gibt für mich nichts im Zusammenhang mit Tätowierung her. Ich selber mochte das noch nie. 3. Mose 19,28 sehe ich etwas problematisch, da das entscheidene Wort im hebräischen Text nur ein einziges Mal in dieser Form vorkommt. Auch die Wurzel gibt nicht so viel her. Relativ klar ist, dass es um Beschriftung an einem selbst geht.

Die Septuaginta spricht von eingestochenen Zeichen bzw. Buchstaben. (γραμματα στικτα).

Als Christ ist es nutzlos sich tätowieren zu lassen. Wenn es nur der Verzierung dient erst recht. Wenn man aber schon Tattos hatte, bevor man zum Glauben kam, macht das aber auch nichts.

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Re: Jes 44,5 als Argument für Tätowierung?

Beitragvon caleteu » Do 14. Jul 2016, 08:21

Wie wir auch zum AT Gesetz stehen, hätte der AT Prophet ihm nie widersprochen, also würde ich diese Stelle nicht als Argument für Tätowierung nehmen. Wenn wir aber dieses Gebot zum Kultgesetz einordnen, dann könnte man argumentieren, es gelte nicht, weil Christus das Kultgesetz erfüllt hat. Die Frage ist dann, was bedeutet die Tätowierung heute? Ist es nur Schmuck? Ein Ausdruck einer LEbensfassung? WAs ist es für ein Zeugnis?
Mich hat schon die Erfahrung einer Freundin nachdenklich gemacht. Ihrem Bibelgeschäft stand ein Tätowierungssalon gegenüber. Die Besitzerin hatte eine Dämonenfigur im Schaufenster, und nannte sie stolz "Ihr Dämon" Meine Freundin spürte schon etwas Unheimliches dran.
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Re: Jes 44,5 als Argument für Tätowierung?

Beitragvon Ben » Do 14. Jul 2016, 22:31

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Re: Jes 44,5 als Argument für Tätowierung?

Beitragvon Manfred » Fr 15. Jul 2016, 18:58

Bitte achtet auch auf den Kontext:
Dieser spricht: Dem JHWH bin ich zu eigen;
einer ruft im Namen Jakobs,
der andere schreibt mit der Hand:
Dem JHWH und im Namen Israels alle Ehre.
Ich kann keine Tätowierung erkennen.
Liebe Grüße!
Manfred
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Re: Jes 44,5 als Argument für Tätowierung?

Beitragvon m.schoeffel » So 17. Jul 2016, 21:57



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