Bötulah und Parthenos und Alma

Grundlagen. Basisfragen zu griechischen Vokabeln und zur Grammatik
Manfred
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Bötulah und Parthenos und Alma

Beitragvon Manfred » Sa 10. Dez 2016, 11:53

Kann mir jemand mal die Bedeutung der Worte erklären?

Viele Grüße
Manfred
Liebe Grüße!
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caleteu
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Re: Bötulah und Parthenos und Alma

Beitragvon caleteu » Mo 12. Dez 2016, 06:40

Hallo Manfred,
Ich könnte nachschlagen: würde mich interessieren. Aber bitte erst nach Weihnachten
liebe Grüße, Deine cambron

Ben
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Re: Bötulah und Parthenos und Alma

Beitragvon Ben » Mo 19. Dez 2016, 05:01

Ich nehme mir auch schon seit Tagen zu antworten vor, muss es aber immer verschieben. Mit meinem neuen Job bin ich zumindest gegenwärtig nicht mehr so flexibel wie früher.

Soweit ich gerade in Logos nachschauen kann, ist die Kurzfassung ungefähr so:

- Betulah (50x): eine junge, unverheiratete Frau; manchmal insbesondere eine Jungfrau, die noch keinen Geschlechtsverkehr hatte.

- Almah (9x: Gen 24,43; Ex 2,8; 1Chr 15,20; Ps 46,1; 68,26; Spr 30,19; Hld 1,3; 6,8; Jes 7,14): ist ein bisschen ein komisches Wort. Es bezeichnet eine junge Frau, das ist sicher, bloß nicht viel mehr, weil es nicht allzu häufig ist. Das "Dictionary of Classical Hebrew" hat zu dem Wort eine Bibliographie mit sieben verschiedenen Bedeutungsvorschlägen, darunter "Jungfrau" und "junge verheiratete Frau". Ich übersetze die Vorschläge mal, in Klammern dahinter schreibe ich die Zahl der aufgeführten Vertreter: 1. Hofdame (1x), 2. Maid (eng. "maiden", aber alles dt. Beiträge. 3x) , 3. Jungfrau (3x), 4. junge Frau (6x), 5. junge verheiratete Frau (1x), 6. junge heiratsfähige Frau (3x), 7. junge Frau, die noch kein Kind zur Welt gebracht hat (1x9).

- Parthenos (15x im NT): "junge, jungfräuliche Frau", der Fokus liegt aber nicht immer auf der Jungfräulichkeit, also sehr ähnlich wie Betula.

Manfred, wenn du noch eine bestimmte Frage hast, die dich interessiert, kann ich gerne weiterforschen. :)
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Manfred
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Re: Bötulah und Parthenos und Alma

Beitragvon Manfred » Di 20. Dez 2016, 11:44

Lieber Ben,
vielen Dank für Deine Mühe.
Es gab kürzlich im deutaschlandfunk eine Diskussion über "die Jungfrau", die Jesaja so nennt.
Dort wurde mit äußerster Mühe "geklärt" dass es keine Jungfau war, sondern eine junge Frau.
Liebe Grüße!
Manfred
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Ben
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Re: Bötulah und Parthenos und Alma

Beitragvon Ben » Mi 21. Dez 2016, 03:04

Das ist auch nicht grundsätzlich falsch, denn die Möglichkeit besteht. Offen gestanden war ich bisher davon ausgegangen, dass es so ist – gut zu wissen, dass die Frage gar nicht geklärt ist.

Für mich stellt das Matthäus-Zitat in keinem Fall ein Problem dar, weil a) den Juden die Septuaginta als Heilige Schrift galt – mit allen Problemen, die uns das gelegentlich bereitet; und b) man immer sagen kann, dass Matthäus eine Art sensus plenior in der Prophetie sieht, also eine Art verborgenen Schriftsinn, der erst durch eine inspirierte Deutung (wie durch Matthäus) ans Licht kommt.

Das ist dann so ähnlich wie bei Paulus' Vergleich von Hagar und Sarah mit dem Gesetz und dem Evangelium im Galaterbrief – das war (in diesem Fall) sicher nicht so in den atl. Text eingeplant, oder? Aber wenn Paulus für uns als inspirierter Autor eine von Gott so beabsichtigte Parallele aufzeigt, dann darf er das und ich darf nicht widersprechen.

So wie ich die Jesaja-Stelle verstehe, muss die Prophetie im Kontext ihrer Zeit einen Sinn machen, sonst hätte es keinen Sinn, dass Jesaja sie in dem Gespräch mit dem König äußert – dem er ja anhanddessen verifizieren will, dass Gott eingreift! Daher müsste sie sich auch zur Zeit Jesajas erfüllt haben – in welcher Form, wissen wir nicht. Aber viele Ausleger nehmen an, dass in dieser ersten Erfüllung keine Jungfrau ein Kind zur Welt brachte, sondern eine junge Frau (ich weiß nicht genau, warum, aber ich vermute, wegen der theologischen Implikationen und Einmaligkeit der Jungfrauengeburt).

Matthäus hätte dann entweder aus dem Text der Septuaginta oder aus dem hebräischen Text eine – göttlich vorgesehene – Parallele herausgelesen und diese Prophetie, seinerseits inspiriert, dann als erfüllt gesehen. Denn auch Maria war ja eine junge Frau (hebr.), aber sie erfüllt auch den Tatbestand einer Jungfrau (gr. und vielleicht hebr.). Man könnte dann sogar sagen: Sogar die möglicherweise nur 90% akkurate griechische Übersetzung ist hier von Gottes Vorsehung eingegeben, denn sie entstand ja deutlich vor der Geburt Jesu und macht es leichter, die Jungfrauengeburt als Prophetie zu erkennen.

Es mag natürlich noch bessere Erklärungsmodelle geben, ich schöpfe hier nur aus meinem anekdotischen Halbwissen...

Was man aber ganz schwer argumentieren kann, ist dass die Lehre von der Jungfrauengeburt ein Irrtum ist, weil die LXX angeblich falsch übersetzt hat. Wenn die Bibel inspiriert ist, stellt das keine Hürde dar, und wenn sie nicht inspiriert ist, ist man nicht darauf angewiesen, Matthäus erst einen Fehler anzukreiden, wenn man die Jungfrauengeburt widerlegen will. Dann reicht "Ich glaube nicht daran, weil es ein Wunder wäre".

Aber es ist erstaunlich, wie viele Journalisten sich jetzt in diesem Thema festbeißen, ich hatte auch schon mindestens zwei Artikel anlässlich der aktuellen Bibelrevisionen gelesen, darunter einen in der Welt... Kann sein, dass ich dazu komme, das Ganze mal auf meinem Blog auszuführen.
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caleteu
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Re: Bötulah und Parthenos und Alma

Beitragvon caleteu » Sa 24. Dez 2016, 14:44

Ich habe manchmal den Eindruck, dass das NT Zitate in einen anderen Zusammenhang setzen, als im AT ursprünglich -- unter göttlicher Inspiration! Beispiel: Hosea 11,1: "Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen" Der Sohn in Hosea ist eindeutig Israel (der im nächsten Vers schon die Baalim anbetet). Trotzdem zitiert Matthäus (2,15) Hosea in Bezug auf Jesus. Die Verbindung dazwichen ist typologisch zu verstehen, nicht direkt prophetisch, d.h. die Person oder das Ereignis schattet Christus vor. Israel ist ein Typos für Christus (Peter Gentry/Stephen Wehum. Kingdom through Covenant, S. j 105-106). Genauso wie Gott Israel nach Ägypten brachte, um ihn vor dem Hungersnot zu retten, und ihn wieder ins Verheißene Land zurückbrachte, liess Gott Jesus nach Ägypten bringen, um ihn vor Herodes zu retten und holte ihn wieder nach israel zurück.
Die Mutter von Jesaias Immanuel war m. E. keine Jungfrau. Ihr Kind wurde zum Zeichen, weil schon so schnell nach seiner Geburt Judas Feinde zerschlagen werden sollten. Das Kind sollte den KÖnig daran erinnern, dass Gott bei ihm ist, dass er keine HIlfe von Assur brauchte.
Thomas Schirrmacher hat mal bemerkt, dass Gott schon mehreren unfruchtbaren Frauen, die auch noch zu alt dazu waren, Söhne geschenkt. Der Messias sollte ein größeres Wunder sein, der Sohn einer Jungfrau.
Liebe Grüße, Deine Cambron


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