2Mo4,22-26 Wer sollte sterben?

Fragen zur bestmöglichen Übersetzung eines hebräischen Bibeltextes
Wulf Bingel
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2Mo4,22-26 Wer sollte sterben?

Beitragvon Wulf Bingel » Mo 7. Sep 2015, 10:45

Eine Auslegung zu 2Mo4,22-26 wurde mir zur Beurteilung vorgelegt.
Der Autor will beweisen, dass nicht Mose, sondern sein Sohn Gerschom getötet werden sollte. Gibt es dazu Einwände?
(Bitte auf der Seite http://haschiwah.org/?p=1054 downloaden oder lesen)
<>< Wulf

caleteu
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Re: 2Mo4,22-26 Wer sollte sterben?

Beitragvon caleteu » Mo 7. Sep 2015, 19:20

Erste Frage: Wie kommt er auf die Aussage, "Auch der Ausdruck, der oft mit „Blutbräutigam“, oder ähnlich, übersetzt wird (4, 25-26), bedeutet nicht zwangsläufig „Bräutigam“, sondern vielmehr „jemand, der in einem Bund ist“," Diese Bedeutung finde ich in keinem meiner Lexika, wo das Wort stets in Verbindung mit Ehe gebracht wird. LXX übersetzt "Das Blut der Beschneidung meines Sohnes"
Seine Argumentation ist schon interessant. Der Text gibt wirklich nicht her, wer getötet werden sollte, aber es wäre ungewöhnlich, wenn Mose Gerschom, der in dem Bericht über das aktuelle Ereignis noch nicht erwähnt worden ist, nur mit dem Pronomen erwähnt würde.
Liebe Grüße, Deine Cambron

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Re: 2Mo4,22-26 Wer sollte sterben?

Beitragvon m.schoeffel » Mi 21. Okt 2015, 01:36

Mir schleicht sich da etwas der Verdacht, dass beim Autor der Wunsch der Vater des Gedanken ist, und sich am Ende des Artikels findet.

Der Zusammenhang scheint mir bei genauerer Betrachtung des Bibeltextes im Kontext mit 1. Mose 17,14 doch deutlich komplizierter, da das Ausrotten/Abschneiden der Seele aus dem Volk noch lange nichts mit dem Töten in 2. Mose 4,24 zu tun hat. Das entsprechende Wort steht ja eigentlich im Zusammenhang mit einem Bundesschluss (einen Bund schneiden, siehe 1. Mose 15,18). Diese Wort wird auch in 2. Mose 4,24 gebraucht, wo Zippora die Vorhaut ihres Sohnes abschneidet. Anders dagegen bei der Einsetzung des Beschneidungsrituals in 1. Mose 17,23-27, wo ein ganz anderes Wort gebraucht wird. Ich hab da so meine Zweifel, dass es hier einfach nur um Wortvielfalt geht. Das müsste noch genauer untersucht werden. Für den Moment lass ich das erst mal ruhen, weil ich will hier nichts Halbgares schreiben, von dem ich nicht 100% überzeugt sein kann.


caleteu hat geschrieben:Erste Frage: Wie kommt er auf die Aussage, "Auch der Ausdruck, der oft mit „Blutbräutigam“, oder ähnlich, übersetzt wird (4, 25-26), bedeutet nicht zwangsläufig „Bräutigam“, sondern vielmehr „jemand, der in einem Bund ist“," Diese Bedeutung finde ich in keinem meiner Lexika, wo das Wort stets in Verbindung mit Ehe gebracht wird.


Wie wir das auch vom griechischen her kennen, bedeutet das Wort gleichzeitig Bräutigam und Schwiegersohn. Dem können wir nur indirekt entnehmen, dass es mit einem Bündnis zu tun hat. Das Verb חתם scheint wohl die Grundlage zu sein, was versiegeln/bestätigen bedeutet. Auf diesem Verb basiert auch z.b. der Siegelring des persischen Königs Ahasveros aus dem Buch Esther. Ob sich der Autor darauf bezieht, weiss ich nicht genau, aber es scheint mir zumindest, dass er diesem Gedanken folgt. Dieser Gedankengang erscheint mir auch ganz schlüssig.

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Re: 2Mo4,22-26 Wer sollte sterben?

Beitragvon caleteu » Mi 21. Okt 2015, 19:01

Überhaupt: Teupes These: Wenn es dem Herrn wichtig gewesen wäre, daß wir das verstehen, hätte die Bibel das klarer ausgedruckt. Das wichtige an dem Bericht ist, daß Gott das Gebot der Beschneidung ernst nimmt, und dass gerade Mose es sich nicht erlauben konnte, das zu unterlassen
Liebe Grüße, Eure Cambron

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Re: 2Mo4,22-26 Wer sollte sterben?

Beitragvon m.schoeffel » So 15. Nov 2015, 10:15

Die Frage ist ja warum er das unterlassen hat. Die Erklärung könnte sein, weil Mose bei der midianitischen Familie seiner Frau blieb. Die Beschneidung war dort wohl nicht üblich und Mose hat sie einfach vergessen, weil er ja nicht bei den Hebräern aufwuchs. Vielleicht kannte er auch nicht die Ursache seiner eigenen Verstümmelung, denn das wird man ja nicht andauernd zum Diskussionsgegenstand gemacht haben. So hätte die Beschneidung zumindest in ihrer Wichtigkeit als religiöses Ritual untergegangen sein können. Trotzdem bemerkenswert, dass dann gerade Zippora da ein Licht aufgeht. Aber eine übliche Praxis kann die Beschneidung in ihrer Kultur nicht gewesen sein, was gerade durch ihre Handlung erst zu diesem Zeitpunkt bestätigt wird.

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Re: 2Mo4,22-26 Wer sollte sterben?

Beitragvon caleteu » So 15. Nov 2015, 18:41

m.schoeffel hat geschrieben: So hätte die Beschneidung zumindest in ihrer Wichtigkeit als religiöses Ritual untergegangen sein können.


Und der Herr nahm diese Rituale im AT sehr ernst!
Liebe Grüße, Eure Cambron

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Re: 2Mo4,22-26 Wer sollte sterben?

Beitragvon Wulf Bingel » So 15. Nov 2015, 19:43

Die Frage ist doch. Inwieweit das Mose nach 40 Jahren Ägypter sein und 40 Jahren in Midian, so tief bewusst war. Allerdings spricht für die Annahme, dass er es wissen musste, dass sein Schwiegervater wohl ein Priester Jahwes war und dessen Tochter jetzt sogar die Beschneidung nachholt.
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Re: 2Mo4,22-26 Wer sollte sterben?

Beitragvon caleteu » Mo 16. Nov 2015, 08:05

Wulf Bingel hat geschrieben:Die Frage ist doch. Inwieweit das Mose nach 40 Jahren Ägypter sein und 40 Jahren in Midian, so tief bewusst war. Allerdings spricht für die Annahme, dass er es wissen musste, dass sein Schwiegervater wohl ein Priester Jahwes war und dessen Tochter jetzt sogar die Beschneidung nachholt.

Aber darum ging das nicht, glaube ich. Als künftiger Stimme des Herrn für Israel, würde Mose sehr große Authorität haben. Er durfte sich nicht erlauben, solche "kleinen" Fehler zu machen, wie auch nachher, als Gott ihm nicht mehr erlaubte, ins Verheißene Land zu gehen, "nur" weil er den Felsen schlug, anstatt zu ihm zu sprechen.
Liebe Grüße, Deine Cambron

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Re: 2Mo4,22-26 Wer sollte sterben?

Beitragvon m.schoeffel » Mo 16. Nov 2015, 17:27

Ich bin schon überzeugt davon, dass das Volk seiner Frau den gleichen Gott wie Israel anbetete, allerdings ist die Beschneidung Israels mit dem abrahamitischen Bund eingeführt worden. Den kannten die Midianiter nicht oder nicht mehr falls sie ebenfalls aus der Linie Abrahams kommen (wofür es ja Hinweise gibt).

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Re: 2Mo4,22-26 Wer sollte sterben?

Beitragvon caleteu » So 24. Jul 2016, 18:48

Aufgrund einer Predigt über den Text habe ich heute ein bisschen mehr geforscht.
Das Wort "chatana" bedeutete in Aramäisch "Beschneidung", in anderen verwandten Sprachen "einen der durch Heirat Verwandter der Familie seiner Frau wird und unter deren Schutz steht"
Das Wort "Blut" steht in Plural, was im AT meistens mit Blutschuld zu tun hat. Mose hatte sich schuldig gemacht, indem er die Beschneidung seines Sohnes vernachlässigt hat.
In der Familie von Zippora war Mose nicht Haupt, sondern nur Schwiegersohn, und hatte sich praktisch zum Midianiter gemacht. Um Israel zu befreien, mußte er wieder Israelit werden. Ausserdem, bevor er Israel führen konnte, mußte er die Verantwortung als Familien-Oberhaupt annehmen. (Vgl. 1Tim 3,4-5)
Laura Mary Elizabeth Hare. (The Transformation of Moses: An Exgetical Study of Exodus 4,24.-26) vergleicht diese Begegnung mit Gott mit Jakobs Begegnung am Jabbok und stellt fest, dass Mose auch eine Veränderung im Charakter erlebte. Vorher war er schwach und traute sich nicht. Nachher hat er den Mut, dem Pharao mit Autorität entgegenzutreten.
Liebe GRüße, Eure Cambron


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