Älohim

Grundlagen. Basisfragen zu hebräischen Vokabeln und zur Grammatik
Manfred
Beiträge: 49
Registriert: Mi 17. Jun 2015, 16:55
Wohnort: Schwarzwald
Kontaktdaten:

Älohim

Beitragvon Manfred » Do 6. Aug 2015, 16:31

Liebe Leser,
ich habe folgende Frage:
Es wird ja gesagt, dass die Endung bei Älohim bedeuten würde, dass hier nicht nur der Pluralis majestatis, sondern auch eine Mehrzahl an Personen möglich ist.
Nun nennt Gott den Mose einen "Älohim" für Aaron und den Pharao.
Aber Mose ist nur eine Person, während das auf Gott bezogen, mindestens eine Personalunion bedeuten könnte.

Wie verhält sich dieser Sachverhalt?
Liebe Grüße!
Manfred
---------------------------------------------------
Lasset alles geschehen zur Auferbauung!

caleteu
Beiträge: 96
Registriert: Mi 17. Jun 2015, 10:50
Wohnort: bonn

Re: Älohim

Beitragvon caleteu » Do 6. Aug 2015, 21:23

Manfred hat geschrieben:Liebe Leser,
ich habe folgende Frage:
Es wird ja gesagt, dass die Endung bei Älohim bedeuten würde, dass hier nicht nur der Pluralis majestatis, sondern auch eine Mehrzahl an Personen möglich ist.
Nun nennt Gott den Mose einen "Älohim" für Aaron und den Pharao.
Aber Mose ist nur eine Person, während das auf Gott bezogen, mindestens eine Personalunion bedeuten könnte.

Wie verhält sich dieser Sachverhalt?

Guter Punkt! Ausserdem nimmt Elohim als Subjekt ein Verb im Singular als Prädikat. (1Mose 1)
Und Gott nennt sich selber Ani oder Anochi (ich) nicht anachnu (wir)
Liebe Grüße, Deine Cambron

jola
Beiträge: 1
Registriert: Sa 20. Jun 2015, 14:04

Re: Älohim

Beitragvon jola » Fr 7. Aug 2015, 11:55

Ich kann zwar kein Hebräisch, aber poste mal ein Zitat von Roger Liebi hier rein:

Mit dem Wort Elohim kann die Trinitätslehre nicht bewiesen werden. Auch ein einzelner Abgott kann als Elohim bezeichnet werden. Es handelt sich um einen Plural der Ausdehnung. Behemoth (Hi 40,10) ist der Plural von Behema (Vieh). Der Plural der Ausdehnung bezeichnet die Mächtigkeit dieses Landsauriers, der seinen Schwanz gleich einer Zeder biegt. Elohim bezeichnet daher die Mächtigkeit Gottes.
Die Trinität kann anhand anderer Tatsachen aus dem AT belegt werden. So ist das "Lasst uns..." in Gen 1 und 11 ein Hinweis auf die Pluralität von Personen in der einen Gottheit. Einen Plural der Würde (pluralis majestatis) gibt es im Althebräischen nämlich nicht. Die Engel können auch nicht angesprochen sein. Denn Gott macht sich nicht mit den Engeln eins (in unserem Bild).

Manfred
Beiträge: 49
Registriert: Mi 17. Jun 2015, 16:55
Wohnort: Schwarzwald
Kontaktdaten:

Re: Älohim

Beitragvon Manfred » So 9. Aug 2015, 14:59

Hallo Cambron,
Du schreibst:
Und Gott nennt sich selber Ani oder Anochi (ich) nicht anachnu (wir)

Bitte schreibe wo?
Liebe Grüße!
Manfred
---------------------------------------------------
Lasset alles geschehen zur Auferbauung!

caleteu
Beiträge: 96
Registriert: Mi 17. Jun 2015, 10:50
Wohnort: bonn

Re: Älohim

Beitragvon caleteu » So 9. Aug 2015, 16:07

Manfred hat geschrieben:Hallo Cambron,
Du schreibst:
Und Gott nennt sich selber Ani oder Anochi (ich) nicht anachnu (wir)
Bitte schreibe wo?


z. B. 2Mose 6,7; Psa 81,11. Siehe auch 1Mose 2,18 usw. wo er von sich mit Verben der 1. Person sg. spricht.
Liebe Grüße, Deine Cambron

Tom.Giebel
Beiträge: 3
Registriert: Sa 20. Jun 2015, 16:23

Re: Älohim

Beitragvon Tom.Giebel » Mi 12. Aug 2015, 22:04

Manfred hat geschrieben:Nun nennt Gott den Mose einen "Älohim" für Aaron und den Pharao.
Aber Mose ist nur eine Person, während das auf Gott bezogen, mindestens eine Personalunion bedeuten könnte.


Danke für die bisherigen Beiträge. Hat mir geholfen, da ich bisher tatsächlich immer einen Zusammenhang zur Dreieinigkeit gesehen habe (gerade wegen Verwendung der Verben im Singular). Für mich bleibt aber noch offen, warum Mose auch mit Älohim bezeichnet wird.
Lässt sich hieraus auch eine besondere Schlussfolgerung ziehen?
Die Verwendung von Älohim für z.B. Richter habe ich immer als Anrede von mehreren oder einer Gruppe gesehen.

Liebe Grüße
Tom

Tom.Giebel
Beiträge: 3
Registriert: Sa 20. Jun 2015, 16:23

Re: Älohim

Beitragvon Tom.Giebel » Mi 12. Aug 2015, 22:14

jola hat geschrieben:Einen Plural der Würde (pluralis majestatis) gibt es im Althebräischen nämlich nicht.

Wer weiß, wie das im Arabischen ist? Im Koran spricht ja Allah generell in Wir-Form, was meist in unseren Sprachkreisen als pluralis majestatis verstanden wird. Wenn das aber im Althebräischen unbekannt war, frage ich mich, ob das auch im Arabischen anders gemeint sein könnte.
Sehe an dieser Stelle keine Gleichsetzung von Koran und Bibel, würde mich aber dennoch interessieren, da es ja auch viele Ähnlichkeiten in den altorientalischen Sprachen gibt.

Gruß Tom

m.schoeffel
Beiträge: 50
Registriert: Mo 19. Okt 2015, 17:23
Wohnort: BaWü

Re: Älohim

Beitragvon m.schoeffel » Mi 21. Okt 2015, 03:15

jola hat geschrieben:Ich kann zwar kein Hebräisch, aber poste mal ein Zitat von Roger Liebi hier rein:

Mit dem Wort Elohim kann die Trinitätslehre nicht bewiesen werden. Auch ein einzelner Abgott kann als Elohim bezeichnet werden. Es handelt sich um einen Plural der Ausdehnung. Behemoth (Hi 40,10) ist der Plural von Behema (Vieh). Der Plural der Ausdehnung bezeichnet die Mächtigkeit dieses Landsauriers, der seinen Schwanz gleich einer Zeder biegt. Elohim bezeichnet daher die Mächtigkeit Gottes.
Die Trinität kann anhand anderer Tatsachen aus dem AT belegt werden. So ist das "Lasst uns..." in Gen 1 und 11 ein Hinweis auf die Pluralität von Personen in der einen Gottheit. Einen Plural der Würde (pluralis majestatis) gibt es im Althebräischen nämlich nicht. Die Engel können auch nicht angesprochen sein. Denn Gott macht sich nicht mit den Engeln eins (in unserem Bild).


So ganz stimmt das alles auch nicht. Oder es ist einfach nur nicht gut erklärt. Wir haben es nicht mit einem grammatischen Plural zu tun sondern mit einem Kollektivum, das grammatisch sogar im Singular steht. Es bezeichnet den äusseren Rahmen einer Sache, nicht aber die einzelnen dazugehörigen Elemente. Eine Gruppe von Menschen kann auch dann eine Gruppe sein, wenn wir es im konkreten Fall nur mit einem einzelnen Vertreter dieser Gruppe zu tun haben, der im Sinne dieser Gruppe auftritt. Z.B. Wenn wir einen Vertrag mit einer Firma unterschreiben, haben wir es real nicht mit dem fiktiven Kontrukt Firma zu tun, sondern im konkreten Fall mit einzelnen menschlichen Vertretern dieser Firma, die als Mittler, Beamtete oder Boten funktionieren. Jedes Mitglied repräsentiert die Firma als ganzes Kollektivum.

Der Pluralis Majestatis bezeichnet dann z.b. den König als eine personelle Einheit verschiedener Ämter und Funktionen. Da wird nicht der Mensch angesprochen sondern seine Funktionen.

Der Pluralis Majestatis ist dem hebräischen Kollektivum ähnlich, aber sein Gebrauch ist im Gegensatz zu jenem doch ziemlich einschränkt und etwas fest gefahren. Im Hebräischen kann er genau so gut für eine Gruppe von Frauen oder gemischten Geschlechts, als auch für Sachen benutzt werden.


Zurück zu „[HG] Hebräisch: Grammatik & Vokabular“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast