Das Aleph – Tav in der Bibel

Grundlagen. Basisfragen zu hebräischen Vokabeln und zur Grammatik
Roland
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Das Aleph – Tav in der Bibel

Beitragvon Roland » Di 25. Aug 2015, 18:30

Liebe Hebräisch-Experten,

ich habe heute auf einer Webseite einen Bericht über das "Aleph – Tav" gelesen. Hier wird die These aufgestellt, dass die beiden hebräischen Buchstaben Aleph und Tav in diversen Bibelversen des AT vorkommen und nicht übersetzt werden können, da diese Buchstaben kein Wort ergeben. Der Autor sieht darin die hebräische Übersetzung der griechischen Buchstaben "Alpha" und "Omega" und damit die Einheit des VATERS und des SOHNES gegeben.

Hier ist der von mir erwähnte Artikel:

Nachdem Tod Yeshuas am Holz und seiner Auferstehung gingen zwei Jünger traurig und geknickt nach Emmaus. Unterwegs begegnete ihn Yeshua, aber sie erkannten ihn nicht. Sie erzählten ihm von dem Erlebten und ihrer Trauer. Yeshua erwiederte ihnen:

O ihr Unverständigen, wie ist doch euer Herz träge, zu glauben an alles, was die Propheten geredet haben! Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? Und er begann bei Mose und bei allen Propheten und legte ihnen in allen Schriften aus, was sich auf ihn bezieht.
Lukas 24.25-27

Die Frage, die sich hier stellt ist: Wo bezieht sich in den Schriften etwas auf Yeshua? Vor einigen Jahren brachte Bill Sanford eine Sammlung verschiedener Bibelstellen heraus, die etwas enthielten, was man weder in einer deutschen, englischen oder anderen Übersetzung finden kann, sondern nur im hebräischen Urtext. Es ist das Aleph Tav. Ich möchte diese Besonderheit an dem ersten Satz, der in der Bibel steht, deutlich machen. Der erste Satz in der Bibel lautet im Deutschen:

Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde.

Im hebräischen Text steht:

בראשׁית ברא אלהים את השׁמים ואת הארץ
Um diesen Satz zu übersetzen, werde ich die Worte noch einmal untereinander schreiben:

בראשׁית – bereschit – In einem Anfang
ברא – bara – schuf (Verb in Singular)
אלהים – elohim – die Plural der Gottheit
את – et – ?
השׁמים – ha´schamaim – die Himmel
ואת – v´et – und
הארץ – ha´aretz – die Erde

Mitten in diesem Satz tauchen zwei Buchstaben auf, die nicht übersetzt werden können. Sie ergeben kein Wort. Es sind das Aleph und das Tav. Das Aleph ist der erste Buchstabe des hebräischen Alphabets und das Tav ist der letzte Buchstabe des hebräischen Alphabets. Da diese Buchstaben kein Wort ergeben, tauchen sie in keiner Übersetzung auf. Was bedeuten nun diese Buchstaben? Hierfür müssen wir von 1.Mose 1 in die Offenbarung des Johannes gehen. Dort lesen wir:

Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende, spricht der Herr, der ist und der war und der kommt, der Allmächtige.
Offenbarung 1.8

Und er sprach zu mir: Es ist geschehen! Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende. Ich will dem Dürstenden geben aus dem Quell des Wassers des Lebens umsonst!
Offenbarung 21.6

Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende, der Erste und der Letzte.
Offenbarung 22.13

Alpha und Omega sind der erste und der letzte Buchstabe im griechischen Alphabet. Da Yeshua ein Mann aus dem jüdischen Volk war, hat er hebräisch und nicht griechisch gesprochen. Er sagt hier also nicht, das er das Alpha und das Omega ist (das wäre griechisch), sondern er sagt, dass er das Aleph und das Tav ist ( את ). Aus diesem Kontext heraus können wir den ersten Vers der Bibel wie folgt übersetzen:

In einem Anfang schuf (Verb in Singular) die Plural der Gottheit, Yeshua, die Himmel und die Erde.

Im ersten Satz der Bibel heißt es also, dass Yeshua die Himmel und die Erde erschuf. Yeshua ist das Aleph und das Tav.

Im weiteren Verlauf finden wir an vielen Stellen in der Tenach (Altes Testament) im Hebräischen viele Stellen, in dem das Aleph und das Tav ( את ) enthalten ist. Diese Textstellen belegen, dass Yeshua von Anfang an der Handelnde war. Hier sind einige Beispiele:

Und sie hörten Yeshua, die Stimme Gottes des HERRN, der im Garten wandelte, als der Tag kühl war; und der Mensch und seine Frau versteckten sich vor dem Angesicht Gottes des HERRN hinter den Bäumen des Gartens.
1.Mose 3.8

Und es geschah, als die Sonne untergegangen und es finster geworden war — siehe, [da war] ein rauchender Glutofen und eine Feuerfackel, die zwischen den Stücken hindurchfuhr. An jenem Tag machte der HERR Yeshua einen Bund mit Abram
1.Mose 15.17-18

Denn ich will in dieser Nacht durch das Land Ägypten gehen und alle Erstgeburt im Land Ägypten schlagen, vom Menschen bis zum Vieh, und ich will an allen Göttern der Ägypter ein Strafgericht vollziehen, ich, der HERR. Und das Blut soll euch zum Zeichen dienen an euren Häusern, in denen ihr seid. Und wenn ich das Blut Yeshuas sehe, dann werde ich verschonend an euch vorübergehen; und es wird euch keine Plage zu eurem Verderben treffen, wenn ich das Land Ägypten schlagen werde.
2.Mose 12.12-13

Gedenke an Yeshuas Sabbattag und heilige ihn!
2.Mose 20.8

Ihr sollt nichts hinzufügen zu dem Wort, das ich euch gebiete, und sollt auch nichts davon wegnehmen, damit ihr die Gebote Yeshuas, des HERRN, eures Gottes, haltet, die ich euch gebiete.
5.Mose 4.2

Ich könnte noch viel mehr Textstellen nennen, aber ich denke, es ist deutlich, wer Yeshua ist und wie er die Jünger auf dem Weg nach Emmaus die Schriften erklärt hat. Er ist eins mit dem Vater. Er ist der Geber der Torah. Es sind seine Gebote. Aus diesem Kontext heraus kann und muss man die Schriften des Neuen Testamentes anders lesen. Es geht um den erneuerten (nicht Neuen) Bund. Er hat den Bund mit Abraham durch seinen Opfertod erneuert. Er ruft uns, in seinen Bund zurückzukehren.

Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir nach; und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden in Ewigkeit nicht verlorengehen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alle, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters reißen. Ich und der Vater sind eins.
Johannes 10.27-30

Liebt ihr mich, so haltet meine Gebote!
Johannes 14.15

Quelle: http://wurzel-davids.de/das-aleph-tav-in-der-bibel/

Ich habe 1. Mose 1,1 in der Interlinearübersetzung nachgelesen und festgestellt, dass das "Aleph – Tav" wirklich nicht übersetzt wird.

Wie denkt Ihr darüber?

Herzliche Grüße

Roland

Titus_Vogt
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Re: Das Aleph – Tav in der Bibel

Beitragvon Titus_Vogt » Di 25. Aug 2015, 19:32

Hallo Roland,

das ist wirklich eine sehr ausgefallene These - um es sehr neutral zu formulieren.

Der Autor unterschlägt geflissentlich, wie dieses Wort normalerweise verstanden und 'übersetzt' wird: Dieses et ist die sogenannte nota accusativi. "Dieses Akkusativzeichen wird in der Prosa regelmäßig dann angewendet, wenn das direkte Objekt eines Verbs determiniert ist" (Lettinga-Grammatik § 74b). Das Akkusativzeichen et am Ende mit "Yeshua" zu übersetzen, ist eine völlig willkürliche Sache und letztlich eine - wenn auch gut gemeinte - nicht zu rechtfertigende Änderung des biblischen Textes!

(Nebenbei: es gibt mit demselben Konsonantenbestand, also Aleph Tav, auch noch zwei andere Wörter: das Personalpronomen 2.Sg.fem. at = "Du" und die Standardform der Präposition et = "mit".)

Beste Grüße
Titus

Ben
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Re: Das Aleph – Tav in der Bibel

Beitragvon Ben » Di 25. Aug 2015, 19:55

Das ist zwar eine sehr romantische Vorstellung, aber großer Humbug. Ich habe vor ein oder zwei Jahren selbst davon gehört, aber aufgrund meiner Hebräisch-Kenntnisse gleich gewusst, dass das nicht stimmen kann. Doch es hat bei mir eine Weile gedauert, bis ich dieses Bauchgefühl ("das funktioniert auf Hebräisch anders") auch mit subjektiv Argumenten belegen konnte, von daher verstehe ich gut, dass dich das beschäftigt. Lass mich erklären:

Zunächst ist die Begründung aus der Offenbarung kaum haltbar. Erstens ist die Vermutung, dass das Hebräisch "gemeint" ist, nicht zu beweisen (ich persönlich glaube, dass die Offenbarung in sehr absichtsvollem Griechisch geschrieben ist). Zweitens ist die Schlussfolgerung, dass sich das auf den hebräischen Text bezieht, völlig aus der Luft gegriffen.

Das hat mehrere Gründe, zunächst logische:
- Im Kontext der Offenbarung ist nicht vom hebräischen AT die Rede, sondern vom Ende der Welt.
- Die Bibel enthält keinen Bibelcode. An keiner Stelle enthält die Bibel einen Hinweis darauf, dass Gott auf diese Weise mit uns kommunizieren würde. Prophetie funktioniert anders. Auch das Ende der Welt ist nicht in Maya-Kalendern oder Blutmonden kodiert, sondern alles, was wir dazu wissen, erfahren wir aus den sorgsam aufgeschriebenen Prophetien der Bibel (die freilich auch nicht immer klar sind).
- Warum sollte diese Information erst hunderte von Jahren nach dem Abschluss des hebräischen Kanons bekannt werden, und dann auch noch in einem Buch, das in einer ganz anderen Sprache zirkulierte? Wenn sie so kodiert ist, muss das ja im Umkehrschluss heißen, dass ein normaler hebräischer Leser sie beim Lesen nicht (so) wahrgenommen hätte. Damit wäre der Code nutzlos gewesen.
- Und tatsächlich habe ich noch von keinem jüdischen (oder christlichen) Ausleger der Geschichte gehört, der das so wahrgenommen hätte.
- Wäre das nicht auch für die ntl. Autoren ein toller Beweis gewesen, dass Jesus der Messias ist? Sicherlich hätten sie das ihren Lesern erklärt, die ja häufig nur Griechisch kannten.

Aber es gibt auch linguistische Gründe, die Titus schon beschrieben hat. Wir haben gleichzeitig an unseren Antworten geschrieben... Das "et" erfüllt eine klar umrissene Funktion, nämlich die, ein möglicherweise sonst nicht erkenntliches grammatisches Objekt anzuzeigen, das nicht schon durch eine andere Präposition markiert ist (im Deutschen häufig ein Akkusativ-Objekt).

Diese Funktion ist (zumindest grundsätzlich) erwiesen, weil:
- et, wo immer es vorkommt, solche Objekte markiert.
- das völlig unabhängig vom Kontext geschieht. Wie gesagt: Ein hebräischer Leser hätte den Text nicht so gelesen.

Man kann wie manche Verfechter dieser These zwar einwenden, dass es nicht jedes mögliche Objekt markiert (d.h. es gibt viele Fälle, wo es nicht steht), aber das allein widerlegt noch nicht diese Funktion. Ich würde es mir als eine besondere (oder auch einfach optionale) Betonung vorstellen, so wie man im Deutschen nicht "ich selbst" sagen muss, sondern die gleiche Betonung auch mit "ich" übermitteln kann. (Diese letzte Erklärung ist allerdings meine eigene Vermutung, ich müsste das noch in einer Grammatik nachlesen.)
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Re: Das Aleph – Tav in der Bibel

Beitragvon caleteu » Mi 26. Aug 2015, 07:21

Das Alef-Tav ist ein Akkusativzeichen, d.h. es steht vor determinierten Nomina, die im Akkusativ stehen. Wir können es nicht übersetzen, weil wir so etwas nicht benutzen. Das Wort hat keine theologische Bedeutung.
Die Übersetzung aus Deutsch in Bibelhebräisch würde genauso manche Wörter weglassen müssen, z.B. unser nicht-determiniertes Artikel "Ein". Bibelhebräisch hat kein nicht-determiniertes Artikel.
Es wird weggelassen, wenn das Nomen nicht determiniert ist, sonst in poetischen Texten, wo manche Details der Grammatik nicht so streng eingehalten werden. Sonst höchstens, wenn es eindeutig klar ist, daß das Nomen nicht Subjekt ist. Ausserdem ist zu beachten, daß Bibelhebräischer Gebrauch der grammatikalischen Fälle nicht immer unserem Gebrauch entspricht
liebe Grüße, Deine Cambron

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Re: Das Aleph – Tav in der Bibel

Beitragvon Roland » Mi 26. Aug 2015, 23:41

Hallo Zusammen,

herzlichen Dank für die zeitnahen und kompetenten Antworten. Die linguistischen Erklärungen sind sehr gut nachvollziehbar und daher ist meine Frage hundertprozentig beantwortet.

Noch einmal herzlichen Dank!

Ich wünsche allen GOTTES reichen Segen.

Seid gegrüßt mit Johannes 20,21

Shalom
Roland

caleteu
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Re: Das Aleph – Tav in der Bibel

Beitragvon caleteu » Do 27. Aug 2015, 07:33

Einen Gedanken möchte ich doch loswerden. Die biblischen Sprachen zu können ist schon sinnvoll, weil man wirklich nicht alles übersetzen kann. Dennoch: Gott spricht deutsch. Er hat uns die Bibel gegeben, weil Er sich offenbaren wollte, weil Er will, daß wir Ihn verstehen. Ich bin überzeugt, daß Er genauso über Weitergabe Seines Wortes wacht wie Er über ihre Entstehung wachte. Wer kein Hebräisch oder Griechisch kann, kann gute Übersetzungen vergleichen. Es ist gut, Hebräisch zu können, damit ich keine Theologie auf Wörter usw. baue, die nicht im Text stehen, aber wir brauchen nicht nach verborgenen Geheimnissen zu suchen.
Liebe Grüße, Eure Cambron


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